Das Gold der Getreidefelder

Die Getreidefelder sahen nie schöner aus als an jenem Abend. Der Rauch der Schornsteine zog über das Feld und erfüllte meine Lunge mit seinem rußigen Gemisch. Schatten des angrenzenden Wäldchens zogen sich an den Seiten der goldenen Pracht entlang. Im Hintergrund zwitscherten Vögel fröhlich ihre Lieder und Grillen zirpten der Dämmerung entgegen. In der Ferne hörte man ein Huhn gackern. Eine kühle Sommerbriese strich mir durchs Haar und der Geruch von Minztee stieg mir in die Nase.

Lene Heyn, 14

 

Die Reise einer Feder

Eine Feder schwebt durch die Luft. Sie fängt an nach
unten zu schweben, doch es kommt ein laues Lüftchen,
welches die Feder wieder nach oben bringt. So, als wolle es, dass die Feder zu ihrem Besitzer zurückkommt.
Aber dem Lüftchen fehlt es an Kraft, um die Feder zu
halten und so schwebt sie wieder hinab. Sie sieht so
traurig und einsam aus, diese kleine graue Feder mit einem Grünstich, inmitten des großen hellblauen Himmelmeers. Und so schwebt sie ihren Weg hinab. Als sie
dem Boden schon sehr nahe ist, entdeckt die Feder eine
Gruppe Jugendlicher, die, wie es den Anschein hat, Geschichten schreiben. Einer dieser Jugendlichen schreibt
über eine Feder und die Geschichte hört sich sehr stark
nach ihrem eigenen Schicksal an. Plötzlich ist die Feder
auf dem Boden angelangt und schließt damit ab, ihren
alten Besitzer je wiederzusehen.

Emil Krause, 12

 

Und ich ließ mich wiegen in den Winden, während die Sonne warm, weich meine Haut küsste.
Und ich ließ mich stoßen und ziehen von meinen Gedanken, sodass sie über den ganzen Raum verteilt und zerstreut wurden.
Mich niederschlagen.
Ich zerfloss, schwebte zwischen den kühlen Wolken, in Wiesen, auf Baumwipfeln.
Und ich ließ sie zerren, alles zerren aus mir, auf dass es mich einige Momente lang zerriss.
Schmerzhaft und doch frei, nicht ganz zu sein, komplett und in meiner Unerfülltheit, Erfüllung zu finden.
Und ich ließ mich zusammenfügen, mich aufsammeln von Baumwipfeln, Wiesen und Wolkendunst und vernähen zu dem Körper, in welchem ich lebe.

Tamina Häger, 17

Kunst+Literatur22_Seite_09

Kunst + Kultur 2022 “Böse Geister”

Herausgeber: eG Wohnen 1902
Leitung Malgruppe: Hella Stoletzki
Leitung Literaturgruppe, Satz und Layout: Ines Göbel

 

weitere Artikel aus dem Bereich : Buntes Leben

weitere Artikel aus allen anderen Bereichen

 
18.11.2022
Älter werden, vital bleiben
Älterwerden bringt neben Vorzügen auch einige weniger schöne Entwicklungen mit sich. So müssen…
 
15.11.2022
Drei neue Auszubildende – drei erste Fragen
 Erfolgreicher Start der Ausbildung zum/zur Immobilienkauffrau/mann Mit dem Ausbildungsjahr 2022/23 starteten drei neue…
 
15.11.2022
12x Gewinnchancen 🍀 #11
 Mitmachen & Gewinnen Anlässlich unseres 120er Jubiläumsjahres gibt es jeden Monat eine neue…
 
Anzeige
 
04.11.2022
Schutz vor Grippe: Rechtzeitig Impftermin vereinbaren
Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten und Abgeschlagenheit: Eine Grippe kann schlimm werden. Doch…
 
21.10.2022
Schnäppchen schnappen
Die Preise für Energie, Sprit und Lebensmittel sind 2022 teilweise exorbitant gestiegen. Eine…
 
07.10.2022
Gezielt einkaufen, Ausgaben kontrollieren
Angesichts der stark gestiegenen Preise haben viele Menschen in Deutschland ihr Einkaufsverhalten geändert:…
 
23.09.2022
Gemeinsame Erinnerungen verschenken
Zu Weihnachten möchte man die Liebsten in der Familie mit Geschenken erfreuen, die…